Was kostet eine PKV

Die Private Krankenversicherung (PKV) ist in Deutschland eine der zwei Säulen des Krankenversicherungssystems. Es wird dabei unterschieden zwischen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der PKV.

Dass diese beiden Versicherungstypen in Deutschland Pflichtversicherungen ohne Zuschnitt auf eine bestimmte Personengruppe sind, hat gute Gründe. Die Gesundheitsversorgung ist teuer. Oft genug sieht man in Ländern mit einer schlechteren Krankenversicherungssituation, dass Menschen aufgrund fehlender Versicherungen auf notwendige Arztbesuche, ärztliche Behandlungen und teilweise auch auf Operationen verzichten (müssen). Das kann – dem Grunde nach – in Deutschland so nicht passieren.

Denn die  medizinisch notwendigen Leistungen sind mit der gesetzlichen Krankenversicherung abgedeckt, und damit ist aus Sicht des Gesetzgebers erst einmal jeder Mensch in Deutschland soweit versichert, dass er die gesundheitlichen Grundbedürfnisse abdecken kann.

Doch gerade das von vielen so hoch gelobte System der zwei Versicherungsvarianten im deutschen Gesundheitswesen weist nach Ansicht einiger Experten erhebliche Mängel auf. So zeigte ein Kommentar der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Massiver Fehler im System“ die große Problematik hinter dieser Differenzierung auf.

Der Unterschied zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung und der Privaten Krankenversicherung (PKV) wird immer größer. Zuweilen kommt es beim Versuch, einen Termin bei einem Arzt zu ergattern, tatsächlich zu einer Zweiklassengesellschaft. Während der Privatpatient innerhalb kürzester Zeit versorgt wird, muss der Kassenpatient teilweise Wochen und Monate auf einen Termin warten.

Doch daneben sind die Unterschiede oftmals gar nicht so groß, wie viele meinen. Denn in vielen Fällen sind auch Privatversicherte lediglich im Basistarif versichert – einem Versicherungstarif, der die gleichen Leistungen abdeckt wie die GKV, die gesetzliche Krankenkassen also.

Dennoch bleiben einige Fragen zu den Unterschieden zwischen der PKV und der GKV. Wann genau kann sich jemand in der PKV versichern? Oder gibt es dabei tatsächlich so etwas wie ein komplettes Wahlrecht? Vor allem aber: Was kostet die Private Krankenversicherung ihren Versicherten?

Wer kann die Vorteile einer privaten PKV nutzen?

Es gibt in Deutschland keine reine Versicherungsfreiheit in Sachen Krankenversicherung. Denn letztlich sieht die gesetzliche Pflicht zur Krankenversicherung erst einmal eine Versicherung in der Gesetzlichen Krankenversicherung vor. Nur unter bestimmten Voraussetzungen besteht die Möglichkeit, sich in der PKV abzusichern. Die folgenden Personengruppen haben die Möglichkeit, sich für eine Mitgliedschaft in der PKV zu entscheiden:

  • Beamte
  • Selbstständige und Freiberufler
  • Angestellte mit einem Jahreseinkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze
  • Studenten

Gehören Sie zu einer dieser vier Personengruppen, haben Sie ein Wahlrecht, ob Sie sich freiwillig gesetzlich versichern möchten oder ob Sie stattdessen eine Private Krankenversicherung bevorzugen wollen. Gründen Sie also ein Unternehmen und üben die selbstständige Tätigkeit im Hauptberuf aus, können Sie künftig von den Vorzügen der PKV profitieren. Sind Sie hingegen als Influencer tätig, stellt sich die Frage, ob Sie hier zu den wenigen Freiberuflern zu zählen sind oder ob Sie ebenfalls selbstständig sind. Denn unter den Freiberuflern die künstlerisch – beispielsweise wortschaffend – tätig sind, kann es auch die Fälle geben, die in der Künstlersozialkasse pflichtversichert sind.

Tatsächlich gilt auch heute die Mitgliedschaft in einer privaten Krankenversicherung für viele als besonders erstrebenswert. Doch was ist wirklich dran an der Geschichte von der Zweiklassengesellschaft und den riesigen Vorteilen, die ein Mitglied der PKV im Vergleich zum Mitglied der GKV haben soll? Wir haben die Sache einmal unter die Lupe genommen.

Private & Gesetzlichen Krankenversicherung im Vergleich

Es klingt paradox. Vergleicht man die beiden Systeme der Krankenversicherung in Deutschland miteinander, stellt man schnell fest, dass man sie gar nicht so richtig vergleichen kann. Denn die beiden Varianten der Krankenversicherung sind von Grund auf gänzlich unterschiedlich.

Die Gesetzliche Krankenversicherung

In der Gesetzlichen Krankenversicherung gibt es drei verschiedene Arten von Versicherungsstatus:

  • Pflichtversichert
  • Familienversichert
  • Freiwillig gesetzlich versichert

Pflichtversichert ist jeder, der eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ausübt oder der Rentner ist. Auch Empfänger von Leistungen nach dem SGB II (Hartz 4 Bezieher laut Sozialgesetzbuch) sind pflichtversichert – hier trägt das Jobcenter die monatlichen Versicherungsbeiträge.

Wenn jemand in der Familie pflichtversichert ist und Kinder in der Familie sind, bei denen keine Pflichtversicherung vorliegt, können diese Kinder familienversichert werden. Gleiches gilt für einen nicht pflichtversicherten Ehepartner einer pflichtversicherten Person.

Freiwillig gesetzlich versichert sind Personen, die eigentlich ein Wahlrecht hätten und sich privat versichern könnten, sich aber bewusst für die GKV entscheiden.

Die größten Unterschiede

Die größten Unterschiede liegen einmal in den Kosten und zum anderen in der Leistungsstruktur. Die GKV gibt für alle Versicherten die gleichen Leistungen aus. Es gibt einen Pflichtkatalog mit Leistungen, die von der GKV getragen werden müssen. Jede GKV hat in verschiedenen Bereichen einige Zusatzleistungen, die über die gesetzlichen Leistungen hinausgehen – diese halten sich allerdings in der Regel sehr in Grenzen.

Der zweite Punkt sind die Beiträge. In der GKV bemessen sich die Beiträge nach dem Einkommen einer Person. Wer sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder Rentner ist, muss einen festgelegten Prozentsatz seines Einkommens in die Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen. Damit sind die Kosten komplett gedeckt – sowohl für die Pflichtversicherung als auch für eine mögliche Familienversicherung.

Die Private Krankenversicherung

Wie erwähnt können sich nur bestimmte Personengruppen in der PKV anmelden. Dafür ist die PKV gänzlich anders angelegt als die GKV.

Die größten Unterschiede

Auch in der PKV gibt es einen gesetzlich vorgeschriebenen Leistungskatalog. Dieser ist identisch mit dem der GKV. Die Leistungen der GKV entsprechen also den Mindestleistungen der PKV. In vielen Fällen gehen die vertraglich vereinbarten Leistungen in der PKV allerdings deutlich über die Grundleistungen hinaus. Der Unterschied ist dabei der, dass Sie sämtliche Leistungen Ihrer Privaten Krankenversicherung frei mit Ihrer Versicherung verhandeln können. Während in der Gesetzlichen Krankenversicherung der konkrete Leistungskatalog unverrückbar festgelegt ist.

Der Zweite Punkt sind dann parallel dazu die PKV Kosten. Die Kosten der privaten Krankenversicherung bemessen sich nicht, wie bei der GKV, am Einkommen des Versicherten. Vielmehr legt der Versicherer die Höhe der monatlichen Beiträge fest. Wie das genau geschieht, möchten wir im nächsten Punkt kurz erläutern.

Kosten einer privaten Krankenversicherung

Die Kosten (Beiträge) für die private Krankenversicherung werden vom Einkommen des Versicherten nicht beeinflusst. Hier spielen die folgenden vier Faktoren eine Rolle:

  • das Alter und der Gesundheitszustand des Versicherten bei Abschluss der Versicherung
  • das aktuelle Alter des Versicherten
  • die vereinbarten Leistungen
  • der vereinbarte Selbstbehalt

Vor dem Eintritt in die PKV wird eine Gesundheitsprüfung vorgenommen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung und das Alter des Antragstellers beim Eintritt bilden die Grundlage für den ersten festgelegten Beitragssatz – natürlich zusammen mit den gebuchten Leistungen. Je mehr Leistungen in Ihrem Vertrag verankert sind, desto höher ist natürlich der Beitrag.

Im Laufe der Jahre erhöht sich der monatliche Beitrag immer mal wieder mit zunehmendem Alter des Versicherten. Dabei spielt vor allem das Eintrittsalter eine große Rolle. Denn je jünger ein Versicherter ist, desto geringer ist die Gefahr teurer und langwieriger Erkrankungen.

In den ersten Jahren der Mitgliedschaft werden über die Beiträge Rücklagen gebildet, damit im Alter die Beiträge nicht so schnell steigen. Wer erst im Alter von mehr als 40 Jahren in die PKV einmünden möchte, sollte sich das gut überlegen. Denn hier können kaum noch Rücklagen fürs Alter gebildet werden. Damit ist schon der Einstiegsbeitrag deutlich höher als der Beitrag eines jüngeren Versicherten – und das mit der Tendenz zu künftig stark steigenden Beiträgen.

Übrigens

So etwas wie eine Familienversicherung kennt die Private Krankenversicherung nicht. Wenn Sie und Ihr Partner privat krankenversichert sind, müssen Sie für Ihre Kinder ebenfalls eine private Krankenversicherung abschließen, was natürlich im Gegensatz zur Familienversicherung der GKV wiederum mit zusätzlichen Beiträgen verbunden ist.

Fazit

Die Kosten für die private Krankenversicherung bemessen sich anhand Ihres Alters und Ihrer Gefährdung zu erkranken und auf Basis der von Ihnen gewünschten Leistungen. Das kann dazu führen, dass die Kosten für die private Krankenversicherung im Laufe der Jahre vergleichsweise hoch werden.

Da die Rückkehr aus der privaten Krankenversicherung in die Gesetzliche Krankenversicherung schwierig bis teilweise unmöglich ist, sollten Sie sich genau überlegen, ob Sie sich privat krankenversichern möchten.

Wer allerdings die Möglichkeit hat, in die PKV zu wechseln und von seiner Versicherung einfach mehr erwartet, als die GKV zu bieten in der Lage ist, sollte die Angebote beider Seiten einmal ganz genau unter die Lupe nehmen.

Foto 89Stocker via Twenty20

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